Konstruktives Treffen der Freunde und Förderer in der Ziegelei Westeregeln
Ein Beitrag von Christine Urbat
Das war einmal wieder eine Zusammenkunft in der historischen Zieglerstube des Bau- und Industriedenkmals Ziegelei und Gipshütten Westeregeln, die Mut machte für künftige Aufgaben. Einmal, weil die sechs „Hoffmänner“ aus Halle, Mildenberg, Winningen und Quedlinburg gekommen waren, um ihre Bereitschaft zur engen Zusammenarbeit zu erneuern. Zum anderen, weil neue Mitstreiter in der Runde zu erkennen waren, auf die man lange gewartet hatte: Ralf Patela und Christiane Heinemann, die Hildebrandts sowieso und (Danke!) Architekt Gerd Sroke aus Halberstadt…. Auch die Gröninger Hoffmänner, die Schuldirektorin Carola Rozansky und ihr Mann waren gekommen, um zum 3.Dezember 2010 nach Gröningen einzuladen.
(Hier fand nämlich zum 110.Todestag Friedrich Eduard Hoffmanns die feierliche Einweihung einer Gedenktafel mit einem wissenschaftlichen Symposium zu Ehren des berühmten Ringofenerfinders statt.)
Bühne ZiegeleihofWir eingetragenen Mitglieder des inzwischen traditionserprobten Vereins freuten uns natürlich über diesen potentiellen Zuwachs an neuen Mitstreitern und die in Aussicht gestellten Aktivitäten für die Zukunft.
Vereinsvorsitzender Professor Andreas Beaugrand konnte zunächst, was den Baufortschritt am Denkmal angeht, in Personalunion SAG Bielefeld/Verein für das Jahr 2010 eine gute Bilanz ziehen. Dach des großen Ringofens: Dicht. Dach der alten Trocknung: Dicht. Freilegung und Rekonstruktion des zweiten Brennofens am Standort Alte Ziegelei/Brunnen: In guter Qualität erledigt.(Hervorragende Arbeit der Maurer und Holzkünstler um Vorarbeiter Dieter Weile.)
Nun müssen uns nur noch Zeitzeugen wie Toni Gerstendörfer und Frau Poppe bei der Standortbestimmung Wohnhaus, und Kennzeichnung der rekonstruierten Ofentypen behilflich sein.aber auch Brennofenkenner wie Harald Böger aus Halle sagen:Richtig oder nicht richtig. Die Fassaden und Fenster der großen Trocknung sind nunmehr ein erfreulicher Anblick. Die Rundwege wurden gepflastert und es macht nun auch Spaß da entlang zu gehen…
Aber es geht noch weiter mit den guten Nachrichten: Die Grundstückseinfahrt hat festes Pflaster, kein Waten durch Schlamm also mehr notwendig. Photovoltaik-Anlage ist im Kommen, Felder liegen schon. Nördliche Fassade des Ofenhauses steht kurz vor der Fertigstellung. Nur der schiefe Schornstein mit seinen instabilen oberen drei Ringen macht uns noch Sorgen. Die Denkmalbehörde hat kategorisch „Nein!“ gesagt, aber mehr kann sie auch nicht, oder wie man das Problem lösen soll…
Ja und im Bürobungalow des Bau- und Industriedenkmals sind fleißige Bastler(Männer!) dabei, etwas Wunderschönes zu zaubern: Das Modell der vollständigen Ziegeleianlage, des gesamten Areals,ein außergewöhnlicher Denkmalort im Miniformat. (Die Tonlorenbahn fährt schon ihre Runden!) Das Modell wird seinen Platz im Haus 1909 finden, in der Mitte des Raumes! Dann kann der Besucher sich zunächst erst einmal einen Überblick verschaffen und damit Appetit auf den 2-Stunden–Rundgang holen.
Solaranlage ZiegeleidachNach soviel Euphorie ob der guten Bilanz, ein kurzer kritischer Blick zurück. Auf das ausgehende Jahr 2010. Der Tag der Egelner Mulde und die Abschlußparty sind erfreuliche neue Geschichte, auch was den leidigen Regen angeht.Das Sommerfest der Volkssolidarität, einmal mehr ein Erfolg. Die Besucherstatistik eher dünn,aber es wurde gern und oft in der Zieglerstube gefeiert und in den acht Betten der Herberge genächtigt. Kann man nämlich, wenn man sich bei dem liebenswürdigen und kooperativen guten Hausgeist Bubi Mayer meldet und zehn Euro Spende pro Nacht und Bett hinterlässt.
Aber -traurige Tatsache- der Tag des offenen Denkmals 2010! Keine Öffnung auf dem Kalkberg, da hatte wohl ein jeder auf den anderen gewartet, oder es schlicht und einfach vergessen. Ebenso der Tag des Geotops, auch da tat sich nichts. Da erinnerte sich der eine oder andere schon einmal, was man an solchen Tagen in den zurückliegenden Jahren der erfolgreichen Vereinsgeschichte veranstaltet hatte! Also lautet die Empfehlung: Künftiger Beitrag zum Tag der Egelner Mulde immer, aber auch wieder mehr eigenes anbieten. So wird am 4. Juni 2011 das nächste Ziegeleifest, das 11. stattfinden.
Am Samstag nach Pfingsten, denn Pfingsten gehört den Reitern Westeregelns. Apropos Reiter: Wenn ich so die hübschen vierspännigen Kinderponykutschen durch Westeregeln gleiten sehe, könnte ich mir gut vorstellen, dass die da oben ihre Runden drehen könnten, zur Freude der kleinen Ziegeleifestbesucher. Wie wäre es? Zumindest seid ihr herzlichst eingeladen, es einmal zu versuchen! Die von unseren festerprobten Mildenbergern an diesem Abend eingebrachten Ideen, den Schulkindern des Ortes schöne Fotos von der Ziegelei zum Malwettbewerb anzubieten, die besten Arbeiten zum Ziegeleifest auszustellen und das schönste Bild auszuzeichnen, fanden alle Anwesenden so gut, dass sie sich in der Schule Westeregelns um die Sache kümmern werden. (Unsere Gertrud Breithaupt und unsere Uschi Loof wollen das in Angriff nehmen.)
Eine weitere Idee, auch bildende Künstler an diesen Ort zu locken, soll fortgesetzt werden. Klaus Gumpert, Bärbel Feldbach und Hans Both sowieso waren ja schon da, könnten für unsere Idee werben, ein Wochenendsymposium im Frühsommer, im Sommer oder Frühherbst zu veranstalten. Motto: “Ton,Steine,Scherben und mehr“. Vielleicht schaffe ich es, die Schönebecker bildenden Künstler zu einem solch kreativen Wochenende in das schöne Umfeld auf den Kalkberg zu locken. Eine Einladung habe ich schon mal vor Ort, im soziokulturellen Zentrum Treff anlässlich der 100. Ausstellung ausgesprochen.
Mein Freund Hans Both und die Keramikerin Bärbel Feldbach haben zugesagt, für das Anliegen unter ihren Berufskollegen zu werben. Und was sie dann produzieren, kann man im Brennschuppen ausstellen…. Ach ja, und der Blankenburger Schriftsteller Bernd Wolff hat mir auch versprochen, einmal eine Lesung da oben zu veranstalten…. Immerhin hat er wunderschöne Kinderbücher ( u.a.Manne Forschtrat“) und das Buch „Winterströme“ geschrieben und beschäftigt sich literarisch mit dem umfassenden Thema der Goetheschen Aktivitäten im Harz im 18. Jahrhundert.
Nach soviel Aussichten für 2011 noch ein Blick auf den Abend im November 2010 in der Zieglerstube des Bau- und Industriedenkmals auf dem Kalkberg Westeregeln.
Endlosförderer (800m lang)Ein ungewöhnliches Projekt stand an diesem Abend in der Zieglerstube an: Kommunale Bürgerarbeit. Mögliche Inhalte wären seitens der Soazialaktiengesellschaft Bielefeld zu beantragen und vom Förderverein zu begleiten. Dauer: 3 Jahre möglich. Ausgewählt wären Langzeitarbeitslose oder ältere Bürger, die keine Chance mehr haben, auf dem Arbeitsmarkt einen Job zu finden. Ein Orientierungskatalog benennt die Arbeitsfelder. Wir drei, Karl Heinz Schreiber und Karl Wächter und unser Fachmann vor Ort, Dieter Weile, konnten auf Anhieb Projekte benennen, die eine mehrjährige Ausführung erfordern.
Nur soviel in Kurzfassung:Es geht uns um die ständige und fachmännische Arbeit am Geotop- Biotop, um die Bergung, fachwissenschaftliche Betreuung und würdige Präsentation des technischen und wissenschaftlichen Materials dieser Denkmalziegelei und nicht zuletzt um den innerbetrieblichen Transport -sprich :Tonlorenbahn und Endlosförderer- allesamt denkmalgeschützte Objekte.
Erfreulich auch hier wieder nach eingehender Diskussion: Die Ehrenziegler erklärten sich spontan bereit, ein Projekt fachlich zu begleiten. Darüber wird in den nächsten Zeiten noch konkreter berichtet, versprochen! Es wehte ein schöpferischer Atem durch diese Runde des Abends. Wer uns helfen will, ist auch in Zukunft herzlich willkommen, neue, besonders junge Mitstreiter sind gern gesehen, aber auch solche, die einfach an einer guten Sache mitwirken wollen. Und eine gute Sache ist doch, dass seit 1998 da oben gearbeitet werden kann, in Maßnahmen für fleißige Leute aus Westeregeln, Etgersleben, Egeln, Unseburg, Wolmirsleben, Hakeborn und, und, und….
Danke allen, die für wenig Geld da oben wirken und erreicht haben, dass Wisenschaftler, Fachleute, Kinder, Jugendliche und natürlich ganz normale geschichtsinteressierte Bürger sich beim Rundgang verwundert die Augen reiben: Nanu? So etwas Schönes haben wir hier oben? Haben wir!
Übrigens ein Wort in (fast!) eigener Sache. Für mein Buch „Geschichten vom Kalkberg“ haben schon ein paar freundliche Unterstützer gespendet. Danke an die GBR Börde Westeregeln für 100 Euro, die Firma Wawin vom Borrweg für 200 Euro, Ingenieurbüro Spielplatz für 75 Euro sowie an die Ortsgruppe der Volkssolidarität Westeregeln 80 Euro. Sie haben den Grundstein für die Herstellung dieses schönen Buches gelegt. Das große Buch über die Alte Ziegelei soll im Sommer 2012 erscheinen. Weitere Spenden, auch die kleinsten! Sind herzlich willkommen.Einfach auf das Konto 3082001156 bei der Sparkasse einzahlen. Der Förderverein stellt auch Spendenbescheinigungen aus. Danke!
Christine Urbat
Westeregeln
Verbandsliga-Handballer vom SV Wacker Westeregeln





