Und der Ziegler schwitzte - wie gewohnt ...
Ein Beitrag von Christine Urbat (Bilder: Ralf Patela, Thomas Agit)
Die meisten der über 300 Besucher des 11. Ziegeleifestes auf dem Kalkberg Westeregeln konnten sich bei diesen über 30-Grad-Temperaturen am ersten Juniwochenende 2011 in die Psyche der Brenner und Ziegler vergangener Jahrzehnte hineinversetzen. Und hätten doch noch 10 Hitzegrade drauflegen müssen, um wenigstens annähernd diesem von Ende März bis Ende November jeden Jahres anhaltenden Hitzestreß eines Ziegelbrands nahezukommen…
Das wurde besonders deutlich, als Dieter Weile und Rüdiger Hoppe den historischen Kollergang im Pressenhaus anstellten und alle begeisterten Zuschauer ganz schnell eine Vorstellung bekamen, was die Männer und Frauen, die in der Ziegelei, (in allen Ziegeleien!) tätig waren, aushalten mussten, stundenlang, tagelang, monatelang. Staub, Hitze, Lärm…
Diese während des laufenden Festes vorgeführte Demonstration historischer Technik vermittelte dennoch das gute Gefühl, dass sich jede DM, jeder Euro, Gelder also, welche seit den neunziger Jahren in den Erhalt dieses einzigartigen Bau- und Industriedenkmals gesteckt wurden, gelohnt hat, in vielfacher Hinsicht.
Ziegelei bei Nacht (Foto: Ralf Patela)Was der Eigentümer, die Sozialaktiengesellschaft Bielefeld 1997 sowohl mit dem Erwerb, als auch mit der jahrelangen Förderung bezweckt hatte, nämlich ein industrielles Zeugnis der Ziegeleigeschichte zu retten, zu erhalten, ja zu nutzen, das beginnt, reale Gestalt anzunehmen.
Und – es sei an dieser Stelle auch einmal gesagt - was der Landkreis, die Kreissparkasse,die Sparkassenstiftung,die Lotto-GmbH und auch das Land Sachsen Anhalt, sowie Firmen und Unternehmen der Region sowie aus dem Bielefelder Raum über mehr als ein Jahrzehnt an Förderung gewährt haben, verdient ebenso große Hochachtung, wenn man sich heute das schöne Areal auf dem Kalkberg anschaut.
Nun wird sogar das Sorgenkind, der Schornstein neu aufgebaut, und man vermisst ihn schon, wenn man von Etgersleben kommend, nun nach oben schaut, harret des Tages, da er sich wieder, nun gerade! emporreckt in den Himmel!
Alles das geht dem Betrachter und Besucher an diesem schönen Sommertag durch den Kopf. Sowohl dem Freund, der schon jahrelang kein Fest versäumt, wie den gestandenen Königsauer und Hallenser Zieglern Hans Jochen Oelgardt, Frieder Diederichs, Harald Böger oder dem, der bei jedem Besuch in Westeregeln sein Facharbeiterzeugnis aus dem Jahre 1952 präsentiert: Der Ziegler mit der Note gut aus Havelberg.
Als auch den vielen hunderten Förderern, die durch ihre Spenden beim Eintritt ins Ziegeleimuseum zum jeweiligen Fest, aber auch zu den Führungen, mit jedem
Euro ein Tonziegelchen schenkten, eben für diesen Ringofen, diesen Schornstein, diese alte Trocknung, diesen freigelegten und rekonstruierten Brennofen, diesen wunderschönen Ausstellungsraum, und, und, und…
Am Backofen (Foto: Ralf Patela)Natürlich gibt’s auch gut zu essen und zu trinken an diesem 11.Ziegeleifest. Die Vereinsmitglieder haben Kuchen gebacken, der sich gut verkaufen lässt und auch wieder in die Spendenkasse träufelt.
Karl-Heinz Schreiber, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, hat gesammelt und alles besorgt, was die fleißigen Frauen hinter den Kulissen der Küche benötigen um Durst und Hunger der kleinen und großen Besucher zu stillen. Auch Gebhardt Hildebrandt und das Eisauto aus Neundorf tragen zum Wohlbefinden der Gäste bei, ebenso wie der Spießschweinbrater aus der Börde und der Spezialist am heißen Backofen, Vereinsvorsitzender Professor Andreas Beaugrand, der mit einer italienischen Spezialität verwöhnt. (Hinterher stellt sich auch noch heraus, dass er an diesem Tag Geburtstag hat!)
Egelner Tänzerinnen (Foto: Ralf Patela)Die Tarthuner Musik „Exzent“ ist stundenlang exellenter Begleiter des Festes, die kleinen und großen Egelner Tänzerinnen erfreuen Auge und Ohr der Besucher, alles ist schön, bis auf die Feststellung, das bei dieser Hitze natürlich keiner das mehrfach annoncierte Führungsangebot des Vereins anzunehmen gewillt ist. Hat es damit zu tun, dass man im kühlen „Haus 1909“ so ein wundervolles kleines Modell, das fast komplette Areal der Gesamtanlage bewundern kann?
Oder im ebenfalls kühlen Brennschuppen-Pferdestall die atemberaubend schönen Nachtfotografien der Patela-Bande in sich aufnehmen kann? Oder in der wunderbar kühlen Zieglerstube die herrlichen Kindermalereien der 2. 3. und 4.Klasse der Westeregelner Grundschule staunend betrachtet und den diese Aktion begleitenden Lehrerinnen ein herzliches Dankeschön sagt…
Galerie im Brennschuppen-Pferdestall (Foto: Thomas Agit)
Und dann ist da ja noch der Informationsstand der Feldbahnfreunde aus Schlanstedt, ihre Grubenfahrten mit der Draisine, der Infostand der Königsauer Ehrenziegler mit herrlichen historischen Maschinenmodellen, die Ziegenwagen-Keramik-Freunde aus Magdeburg, der Informationsstand des neu in der Region tätigen Kunstbruchsteinzauberers Heinz Liebscher aus Westeregeln. (Der angebotene Grillofen aus Kunstbruchstein wechselt vor Ort den Besitzer.)
Draisine (Foto: Ralf Patela)Nicht zuletzt präsentiert sich auch der Westeregelner Heimatverein und: Ein zauberhaftes lebendiges Kinderspielzeug, die Ponykutsche der Bohndorfs, sowie die kleine Reitlehrerin Lena Kühner mit ihrem Pony. Danke für diesen gelungenen Einstand mit dem Wesen Pferd, das in der Ziegelindustrie unentbehrlich war, bis die Dampfmaschine Einzug hielt.
Kann man dieses 11. Ziegeleifest als rundum gelungen betrachten? Kann man. Das 12. im Juni 2012 hält wieder neue bauliche und künstlerische Überraschungen bereit. Versprochen. Mehr dazu später, am 11. September 2011, zum Tag des offenen Denkmals.
Aber ein Satz gehört noch zum Resümee: Die neuen Bürgerarbeiter und Dieter Weile haben ganze Arbeit geleistet, haben ihre Feuerprobe als Ziegler auf Zeit bestanden. Danke!
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Verbandsliga-Handballer vom SV Wacker Westeregeln





